Unterwegs auf Deutschland Straßen, bekommt man schnell das Gefühl, dass Rothaarige besonders hoch im Kurs stehen: An jeder zweiten Ecke begegnet man einem Rodesian Ridgeback oder einem Magyar Vizsla. Doch der Eindruck täuscht offensichtlich. Denn die Statistiken belegen etwas ganz anderes: An der Spitze der beliebtesten Hunderassen landet – und das seit Jahren – der Familienhund schlechthin.

Laut einer Analyse von CHECK24 hat der Labrador die Schnauze vorn und erobert 2017 – mit deutlichem Vorsprung – den ersten Platz im Ranking der beliebtesten Hunderassen 2017. Kein Wunder, schließlich gilt der sanfte Riese – in der Hundeszene auch als „Staubsauger“ oder „Inhalator“ bekannt – als besonders familienfreundlich und unkompliziert in der Erziehung. Der gemütliche Typ halt.

Den zweiten Platz belegt – ähnlich wie im Vorjahr – die Französische Bulldogge mit ihrem Kindchenschema, im Fachjargon als brachycephaler Syndrom genannt. Trotz der zweifellos sympathischen Drolligkeit der Bullys ist ihre große Beliebtheit eher ein Armutszeugnis für deutsche Hundehalter, schließlich gehört die kleine Bulldogge zu den durch Qualzucht meist gebeutelten Rassen, die unter Atemnot, Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems und Missbildungen der Gehörgänge leiden.

Die beliebtesten Hunderassen 2017: Gewinner mit Gähnfaktor
© CHECK24

Die Bronze holt sich – ebenfalls wie im Vorjahr – die Fußhupe unter den Hunderassen: der Chihuahua. Auch die Platzierungen vier und fünf haben sich seit 2016 nicht geändert: Der Jack Russell Terrier und der Golden Retriever gehören erneut zu den Top Fünf der beliebtesten Hunderassen. Die Untersuchung stützt sich auf die Zahl der über CHECK24 abgeschlossenen Hundehaftpflichtversicherungen für reinrassige Hunde.

Australian Shepherd beliebter als Deutscher Schäferhund

Etwas Abwechslung in dem seit Jahren sonst eher statischen Ranking bescheren die Plätze sechs und sieben: Der Australian Shepherd schlägt 2017 den Deutschen Schäferhund, der im Vergleich zum Vorjahr einen Platz nach unten rutscht. Nach Routine sehen wiederum die Plätze acht und neun aus: Der Yorkshire Terrier und der Mops verteidigen ihre Positionen aus dem Vorjahr. Eine kleine Überraschung kommt auf Platz zehn: Diesmal ist auch der Border Collie bei den Top Ten der beliebtesten Hunderassen dabei.

Die 30 Gewinner-Rassen im Überblick:

• Labrador
Französische Bulldogge
• Chihuahua
• Jack Russell Terrier
• Golden Retriever
• Australian Shepherd
• Deutscher Schäferhund
• Yorkshire Terrier
Mops
• Border Collie
• Haveneser
• Bolonka Zwetna
• Beagle
Old English Bulldog
• Malteser
Rhodesian Ridgeback
• Rottweiler
• Siberian Husky
• Berner Sennenhund
• Deutscher Boxer
• Dackel
• Dobermann
• Shih Tzu
Magyar Vizsla
• Deutsche Dogge
Englische Bulldogge
• Dalmatiner
• Shiba Inu
• Tibet Terrier
• Cocker Spaniel

Deutscher Schäferhund beliebter bei älteren Hundehaltern

Der Sieg von Labrador ist niederschmetternd: Laut CHECK24 landet die Rasse bei allen Altersgruppen auf dem ersten Platz. Ob 18-jährig oder Best Ager über 55 – alle lieben den Labrador. Die Unterschiede zwischen den Altersgruppen der 18- bis 29-Jährigen und der 30- bis 55-Jährigen sind minimal: Bei den Jüngeren sichert sich der Chihuahua den zweiten und die Französische Bulldogge den dritten Platz. Bei der älteren Gruppe ist es genau umgekehrt. Am Platz fünf landet in beiden Fällen der Jack Russell Terrier. Die vierte Position belegt bei den unter 30-Jährigen der Australian Shepherd, während die unter 55-Jährigen den Golden Retriever bevorzugen.

Etwas konservativer fallen die Präferenzen der Generation 55+ aus: Hier landet der Deutsche Schäferhund am Platz zwei, noch vor dem Jack Russell Terrier. Weiter unten auf der Beliebtheitsskala sinkt auch die Hundegröße rapide: Der Chihuahua ist die viertbeliebteste Rasse der Silver Ager. Der deutlich größere Golden Retriever bildet die Nachhut auf Platz fünf.

Die beliebtesten Hunderassen 2017: Gewinner mit Gähnfaktor
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Ossis und Wessis lieben ähnliche Rassen

Im Vergleich der alten und neuen Bundesländer zeigt sich eine große Einigkeit: Der Osten und der Westen lieben gleichermaßen den Labrador (Platz 1), die Französische Buldogge (Platz 2) und den Chihuahua (Platz 3). Regionale Unterschiede kommen erst beim Platz vier zum Vorschein: Die Wessis bevorzugen den Golden Retriever noch vor dem Australian Shepherd. Dieser schafft es im Osten gerade in die Top Ten. In der Gunst der ostdeutschen Hundehalter steht der Jack Russell Terrier auf Platz vier und der Deutsche Schäferhund auf Platz fünf.

Die beliebtesten Hunderassen 2017: Gewinner mit Gähnfaktor
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Geschlechterstereotypen bestätigt

Enttäuschend für manch eine Feministin mag der Unterschied bei den beliebtesten Hunderassen 2017 zwischen Frauen und Männern ausfallen. Während der Labrador und die Französische Bulldogge gleich beliebt bei beiden Geschlechtern sind, klaffen die weiblichen und männlichen Präferenzen ab Platz drei weit auseinander. Die Männer bevorzugen große Hunde (dritter Platz Golden Retriever, vierter Platz Deutscher Schäferhund), Frauen schmelzen eher bei den Zwergen dahin: (Chihuahua auf Platz drei, Jack Russell Terrier auf Platz vier).

Die beliebtesten Hunderassen 2017: Gewinner mit Gähnfaktor
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Insgesamt kommt bei der CHECK24-Analyse wenig Überraschendes zum Vorschein. Die Deutschen scheinen ihre Hunde-Präferenzen seit Jahren nur minimal zu verändern. Standhaftigkeit finden wir gut. Bei den erschreckenden Statistiken über den Leidensweg der auf übertriebene Kurzköpfigkeit gezüchteten Bullys – aber auch der so beliebten Möpse, Boxer oder Englischen Buldoggen – fänden wir es allerdings besser, wenn gesündere Rassen häufiger die Herzen der deutschen Hundehalter erobern würden. Die wie aus dem Boden bundesweit sprießenden Brachyzephalie-Kliniken – also Zentren, die sich auf die Korrekturen der Atemwege spezialisieren – geben uns Recht.

In diesem Sinne: Für 2018 wünschen wir uns viel mehr Bewegung in dem Hunderanking. Und zwar in Richtung gesunder, robuster Rassen, die vielleicht weniger niedlich aussehen, aber meist ein unbeschwertes Leben genießen können.