Was tun, wenn das geliebte Haustier stirbt? Seit zehn Jahren gibt es schon Niedersachsens ersten Abschiedswald für Tiere – und der ist fast ausgelastet. Nicht nur Hunde und Katzen werden auf dem Friedhof beerdigt.

© dpa/Foto: Peter Steffen
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Seit 2006 wurden etwa 700 Tiere beigesetzt

Niedersachsens erster Abschiedswald für Haustiere im Kreis Goslar ist zehn Jahre nach der Eröffnung schon fast ausgelastet. Die Landesforsten planten deshalb eine Vergrößerung der Fläche in der Nähe des Bad Harzburger Ortsteiles Göttingerode, sagt Sprecher Michael Rudolph. In dem 5000 Quadratmeter großen „Abschiedswald Goldberg“ wurden seit Oktober 2006 insgesamt etwa 700 Tiere beigesetzt. Die kleinen Holzschilder mit Namen sind über den gesamten Waldboden verteilt. „Polly“, „Lady“, „Blacky“, „Willi“, „Katze Sina“ und „Charly“ ruhen dort in Frieden.

Gute Alternative Abschiedswald

Viele Besitzer von Haustieren brächten es nicht übers Herz, ihre toten Lieblinge zum Abdecker zu geben, wenn sie selbst keinen geeigneten Platz für die Bestattung haben, sagt Rudolph. Ein Abschiedswald mitten in der Natur sei eine gute Alternative. Die Verstorbenen ruhen unter alten Eichen und Kiefern. Swen Zöller bestattet die Tiere seit Eröffnung des Abschiedswalds. „Am Anfang war das schwierig, sich darauf einzulassen“, sagt der Forstwirt. Die Menschen reagierten sehr unterschiedlich. „Manche möchten reden, andere trauern still“, berichtet er. Aber dankbar seien alle.

Ein Abschiedswald nicht nur für Hund und Katz
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Wenn Tiere sterben, muss man eben da sein

Die Tierbesitzer können sich eine Begräbnisstätte aussuchen, es sind immer mehrere Gräber vorbereitet. „Ich versuche, die Beerdigung ziemlich locker zu gestalten, damit kommen die meisten am besten zurecht“, erklärt der Forstwirt. Oft dabei ist sein Hund Bronco. „Er ist ein treuer Begleiter, viele wünschen sich, dass Bronco bei der Bestattung dabei ist“, berichtet Zöller.

Die Beerdigungen kämen spontan, oft begräbt er die Tiere noch am Todestag. „Wenn Tiere sterben, muss man eben da sein“, sagte er. Auch an diesem Samstag hat er früh morgens um 8 Uhr einen Anruf erhalten. Die 18 Jahre alte Katze eines Mannes aus Goslar ist gestorben. Gegen Mittag steht Zöller im Abschiedswald. Es gießt in Strömen, der Nebel hängt zwischen den Bäumen. Der Katzenbesitzer ist dankbar, er beerdigt hier bereits sein zweites Tier.

Ein Abschiedswald nicht nur für Hund und Katz
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Durch die Begräbnisse der Tiere entsteht ein neuer Wald

Das größte Tier, dass Zöller begraben hat, war ein Afghanischer Hirtenhund. „Da musste ich nochmal nachschaufeln, das Grab war zu klein“, erinnert er sich. Die kleinsten Tiere, die im Abschiedswald ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, sind Kanarienvögel, Hamster, Meerschweinchen und sogar eine Ratte. Auch Hamster Hermine liegt in dem Wald. Eine Familie aus Braunschweig hatte Hermine dort begraben, berichtet Zöller. „Sie waren total glücklich, dass sie den Hamster hier beerdigen konnten, da sie in einem Hochhaus leben und keinen eigenen Garten haben.“

Die meisten Tiere seien in eine Wolldecke oder ein Tuch gehüllt, manche lägen auch in einem Pappkarton. „Wichtig ist, dass das Material biologisch abbaubar ist“, betont Zöller. Wenn sich der Boden nach der Beerdigung gesetzt hat, pflanzt er eine Eiche oder eine Buche auf dem Grab. „Durch die Begräbnisse der Tiere entsteht auch ein neuer Wald“, erklärt der Forstwirt. Wegen der gestiegenen Nachfrage betreiben die Landesforsten inzwischen weitere Abschiedswälder im Forstamt Liebenburg bei Hildesheim, im Forstamt Ahlhorn bei Oldenburg und im Lechlumer Holz im Kreis Wolfenbüttel.

Die Beisetzung kostet zwischen 40 Euro für Kleintiere und 275 Euro für größere Hunde. Grabsteine, Einfassungen, Grabschmuck und religiöse Symbole sind nicht zugelassen. Die Grabpflege wird der Natur überlassen. Allerdings sind die Abschiedswälder eingezäunt, damit nicht Wildschweine in den Tiergräbern wühlen.