Viele Millionen Haustiere leben in Deutschland. Die Tierarzt-Kosten treiben manche Halter an ihre finanzielle Grenzen. Ein ARD-Film hat sich damit befasst und die Abrechnungsmethoden der Tierärzte unter die Lupe genommen – die Kritik an dem Beitrag blieb nicht aus.

Berlin – Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte hat einen Beitrag im TV-Magazin „Plusminus“ kritisiert. Er fordert von der ARD, „von der Produktion falsch informierender, suggestiver Sendungen künftig abzusehen.“ Achim Schöbel, Leiter der Redaktion Wirtschaft und Ratgeber beim MDR Fernsehen, wies die Vorwürfe am Mittwoch als unbegründet zurück.

Anlass für die Proteste war ein „Plusminus„-Film über die Methoden der Praxen vom 12. April mit dem Titel „Hund und Katze krank – Wie Tierärzte Kasse machen“. Der „mit eklatanten Fehlern behaftete Beitrag“ suggeriere Tierhaltern, „Tierärzte seien Abzocker, die Geld mit unnötigen Behandlungen verdienen“, schrieb der Verband in einem Offenen Brief an die ARD.

Impfstoffe „wahre Goldgrube“? – Plusminus

So würden Kombinationsimpfstoffe „als wahre Goldgrube“ dargestellt, obwohl sie angeblich doch für Hunde schädlich sein könnten und sich sogar die „Internationale Haustierärztevereinigung“ gegen sie ausgesprochen habe. „Alles Blödsinn“, so Verbandspräsident Siegfried Moder. „Kombinationsimpfstoffe, die Antigene verschiedener Krankheitserreger enthalten, sind keineswegs lukrativer für Tierärzte als Einzelimpfstoffe. Sie kosten genauso viel oder sind sogar günstiger.“

MDR-Redaktionsleiter Schöbel teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, der Beitrag habe „keineswegs die Tierärzteschaft pauschal als Abzocker verunglimpft.“ Im Beitrag sei es um zwei einfache Stichproben gegangen. In jeder Stichprobe seien mit denselben Tieren und demselben Anliegen jeweils drei Tierärzte aufgesucht und die Höhe der Rechnungen verglichen worden. „Aus unserer Sicht ist das ein legitimes Vorgehen, mit dem wir die sehr unterschiedliche Preisfindung bei Tierärzten darstellen konnten.“

Dass insbesondere Impfungen ein lukratives Geschäft seien, haben laut Schöbel mehrere Tierärzte offen vor der Kamera zugegeben. „Das Wort „Abzocker“ haben wir nicht verwendet, weder im Sprechertext noch im Online-Begleittext.“ Eine Katzenhalterin habe diese Formulierung am Anfang des Beitrages benutzt.

Kombinationsimpfstoffe 30 Prozent teurer

Die Bewertung von Kombinationsimpfstoffen beruhe auf den Impfempfehlungen der World Small Animal Veterinary Association vom Januar 2016, sagte Schöbel weiter. „Die Organisation spricht sich dafür aus, nur die nötigsten Impfungen vorzunehmen. Wir haben das als Kritik an Kombinationsimpfstoffen verstanden, da die enthaltenen Impfstoffe in unterschiedlichen Abständen und deshalb einzeln nach Indikation und regionalem Auftreten von Krankheiten verwendet werden sollen.“

In der „Plusminus“-Stichprobe seien die Kombinationsimpfstoffe auch nicht „gleich teuer oder preiswerter“ gewesen als Einzelimpfstoffe, sondern sogar 30 Prozent teurer.

Unser Tierarzt Dr. Fred Willitzkat kommentiert den Beitrag und sagt welche Impfungen wirklich wichtig sind.