Mittlerweile sind es mehrere 100 Hunde und Hundehalter die ich im Rahmen meiner Arbeit kennen lernen durfte und eins erlebe ich mehrmals die Woche…Viele Probleme, die der Hund bei seinem Herchen oder Frauchen zeigt, sind oft in einer Trainingsstunde wie weggeblasen, sobald ich den Hund an der Leine führe.

Man könnte meinen es läge an der Aufregung, der fremden Person oder dem fremden Ort.
In manchen Fällen mag das vielleicht auch stimmen, aber in den meisten Fällen, liegt es einfach nur an der klaren Kommunikation zwischen mir und dem Hund. Zumal die Hunde sich so auch bei weiteren Terminen verhalten, bei denen sie mich dann schon kennen und auch der Ort oder die Gesamtsituation keine neue mehr sind.

Während Frauchen/Herrchen dem Hund dreimal „Sitz“ sagen darf, bevor er sich hinsetzt und dann direkt wieder aufsteht, reicht es von meiner Seite aus oft schon, nur körperliche Präsenz zu zeigen ohne Worte und Berührung und der Hund zeigt das gewünschte Verhalten.

Es gibt dabei keinen Trick, sondern nur klare Kommunikation.

Manchmal ist die rein körpersprachliche Kommunikation die wirkungsvollere Wahl.
Bei vielen Mensch-Hund-Teams haben Hunde die Kommandos und die sprachliche Wortgewandtheit ihres vertrauten Menschen nur als Begleitmusik zu ihrem selbst gewählten Verhalten kennengelernt.

Gesunde Hunde haben grundsätzlich ein gutes Gehör und sie hören selbstverständlich das Wort „Sitz“ auch schon beim ersten Mal. Das Wort „Sitz“ hat allerdings bei so einem Hund durch inkonsequente Durchführung des Menschen, einen leicht faden und schwammigen Beigeschmack bekommen. Für den Hund bedeutet „Sitz“ nicht, dass er sich hinsetzen soll sondern eher, dass er sich hinsetzen kann wenn er das möchte. 🙂

Bezogen auf die Kommunikation mit dem Hund, sollte der Mensch mehr darauf achten, sich selbst und seine Bewegungen, die Sprache und Stimmlage konzentrierter einzusetzen.
Oft werden Handzeichen unterbewusst für mehrere Bedeutungen benutzt, Stimmlagen unabhängig von positiver oder negativer Intension eingesetzt und die Körpersprache uneindeutig und zappelig ausgeführt.

Zum guten Hundetraining gehört aber eben auch, den Hund exakt lesen zu können, Feinsinnigkeit, die annähernd an die des Hundes herankommt und ganz wichtig – das richtige Timing von Lob , Ablenkung oder Korrektur.

Wenn Kommandos für den Hund zum Selbstgespräch werden
Marcel bei einer Gassirunde mit seiner Rasselbande. © Marcel Gruner

Kommandos für den Hund

Es gilt also dem Hund wieder eine eine neue deutliche Sprache, Kommunikation und deren klare Bedeutungen beizubringen. In der Regel sollte man ein Kommando geben, wenn man sich ziemlich sicher ist, dass der Hund es auch ausführen wird, beziehungsweise man dem Hund dieses Verhalten entlocken kann. Ruft man den Hund allerdings zu sich heran und hat im Hintergedanken eigentlich schon die Einstellung: „wahrscheinlich wird er nicht kommen“, dann kann man es auch gleich sein lassen.

Der Hund würde, während man ihn ruft, nur lernen :„Ja ich werde gerufen aber gehe erstmal den anderen Hund begrüssen und bin zum Essen zurück…vielleicht“.
Gleichzeitig hat man eventuell den Effekt, dass die eigene Position ständig durch die regelmäßigen Rufe, an den Hund übermittelt wird und der Hund sich daher noch entspannter entfernen kann denn: „Frauchen oder Herrchen sind ja da noch irgendwo“.

Misserfolg und Erfolg sind wichtige Erfahrungen im Lernprozess eines Hundes.

Ich empfehle den Leuten beim Hundetraining wirklich mehr Ruhe für sich arbeiten zu lassen. Den Hund zum selbst denken anzuregen. Misserfolg und Erfolg sind wichtige Erfahrungen im Lernprozess eines Hundes. Nicht fünf mal sagen was er tun soll, sondern nur einmal, nach gründlicher Übung in reizarmen Umgebungen und den Hund wenn nötig durch eine Leine oder Anderem absichern. Weniger ist mehr und oft bewirkt eine deutliche Körpersprache oder ein Blick mehr als 1000 Worte. Hunde sind sehr feinsinnig und aufmerksam und erkennen kleinste Bewegungen, stimmliche Veränderung und Blicke und reagieren darauf ebenso fein.

Laute und erdrückende Kommandos oder grobe körperliche Zurechtweisung sind absolut unnötig und plump. Um Hunden glaubwürdig als Führungspersönlichkeit zu erscheinen, steht an erster Stelle Souveränität. Denn nur wer in extremen Situationen oder Zeiten der „hundischen Rebellion“ die Fassung behält, vermittelt Sicherheit und wird zum festen Orientierungspunkt für den Vierbeiner.

Lob gehört zur Erziehung

Oft wird auch zu wenig Lob in die Er/Beziehung des Hundes eingebaut…Viele Menschen neigen dazu nur das Negative zu sehen und nur mit dem Hund zu diskutieren oder zu kommunizieren, wenn er etwas falsch gemacht hat. Viel sinnvoller wäre es, dem Hund auch mal deutlich zu vermitteln, dass er etwas richtig macht und ihn darin zu bestärken.

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten die geändert oder verfeinert werden müssen, um dem Hund ganz klar sagen zu können, was man von ihm erwartet. Es hilft oft, sich selbst bei der Kommunikation mit dem Hund von außen einmal betrachten zu können (per Video) oder für die genaue Übung des Timings und der klaren Kommunikation einen Hundetrainer dazu zu ziehen. Und schon wird aus einem Selbstgespräch, eine Unterhaltung mit dem Hund.

Tierischen Gruß Marcel