Wer auf den Hund kommt, hat einiges zu tun. Und mindestens genauso viel zu sein. Neben Ernährung, Pflege, Bewegung und Equipment steht vor allem eines auf der Agenda: Herrchen werden.

Bereits Kinder wissen: Hunde riechen Angst. Mit der Fähigkeit dreimal mehr Gerüche wahrzunehmen als der Mensch – nämlich rund eintausend, darunter auch die für uns unmerkbaren Duftstoffe Pheromone, die bei bestimmten Gefühlsregungen ausgeschüttet werden – ist der Hund eine buchstäbliche Spürnase. Unsichere oder sogar ängstliche Herrchen bleiben also niemals inkognito. Das Problem dabei: Hunde reagieren darauf selten mit Mitleid. Stattdessen fühlen sie sich allein und überlegen. Und machen zukünftig ihr eigenes Ding.

Wie in jeder Beziehung schätzt auch dein vierbeiniger Partner nicht, wenn du nach einem durchgefeierten Wochenende für drei Tage die Vorhänge zuziehst und das einzige, was du auf die Reihe bekommst, das stündliche Update Deines Facebook-Status ist. Gut, in der Zwischenzeit lernt dein Hund einen Dosenöffner zu benutzen.

Besonders unterwegs, wenn du und dein Hund einem ganzen Feuerwerk an unbekannten Eindrücken und Herausforderungen begegnet – er erst einen Kinderwagen anbellt, dann einem Passanten den Burger aus der Hand schnappt und schließlich auf dem Bürgersteig einen Artgenossen begatten will – fällt es schwer, die Ruhe zu bewahren. Dennoch bringt es rein gar nichts laut zu werden, sich zu schämen oder hysterisch zu entschuldigen. Dein Hund lernt von Dir. Und die Welt ist voller Abenteuer. Freu Dich über beides.

Zu einer klaren Ansage gehört ein klarer Tonfall, ebenso wie eine klare Körperhaltung und ein klarer Gesichtsausdruck. Wiederholungen, Umschweife und Ausführungen sowie ein Übermaß an Worten und Zeichen macht dich für Deinen Hund nicht verständlicher, sondern so wahnwitzig wie Schrödingers Katze – ein absurdes Gedankenkonstrukt, das er schlicht nicht auf- und damit auch nicht ernstnehmen kann. Verständlich, dass er in der Zwischenzeit lieber auf seine glasklaren Triebreflexe hört.

Dein Hund hat keine Uhr und weiß auch nichts von deinem Terminkalender. Er lebt in einer zeitlosen Welt. Der Glückliche. Weil ihr trotzdem Zeit miteinander teilt, ist permanent deine Geduld gefragt. Während du bereit fürs Üben und Trainieren bist, braucht dein Hund erst einmal eine kleine Schnüffel- und Wettrenn-Einheit, um den Kopf frei zu kriegen. Und nach dem zehnten Misserfolg beim Männchen machen, ist deine Motivation zwar dahin, dein Hund aber sehnt sich nun dringend nach einem kleinen Erfolgserlebnis. Ganz gleich wie knapp die Zeit ist, gönn es ihm.

Konsequent zu sein ist keine Frage der Tagesform, sondern eine Lebensweise. Dabei geht es nicht darum, sich in einen unerbittlichen Granitblock zu verwandeln, fern jeglicher Empathie, Gefühle und Verständnis. Denn das macht überhaupt keinen Spaß. Sobald du das Wort „konsequent“ gegen seine Synonyme austauscht, sieht das Ganze schon besser aus. Wer konsequent ist, handelt „zielstrebig“, „logisch“, „folgerichtig“ und „beharrlich“.  Das bedeutet nicht, dass dir beim Italiener nicht auch mal ein Stückchen Salami vom Pizzateller fallen kann. Aber wenn das Ziel, das du anstrebst, ein ungestörter Abend mit Freunden ist, solltest du es tunlichst vermeiden. Und zwar immer.

Pünktlich sein heißt, bei der Sache sein. Dein Hund ist es definitiv. Für ihn können sich Sekunden ewigkeitsgleich in die Länge ziehen – ein ausgeführtes Kommando, das erst fünf Sekunden später belohnt wird, weil du die Leckerlis weder griffbereit hast, und sie zwischen Macbook und Yogamatte noch in Deinem Rucksack auch nicht finden kannst, entsteht ein unauflösbares Missverständnis. Denn dein Hund kann das ausgeführte Kommando mit der Belohnung nicht mehr in Zusammenhang bringen. Ebenso wenig ratsam ist es, bereits während der Kommando-Ausführung zu belohnen.

Kreativität ist Kapital. Das gilt im Job, genauso wie Zuhause und in Deinen Beziehungen. Also auch in der zu deinem Hund. Kein Ratgeber, kein Hundetrainer und keine Webseite kennen deinen Hund so gut wie du. Und deshalb kannst auch nur du wissen, was ihn glücklich und zufrieden macht. Ob du ihm zum Schlafengehen aus Kinderbüchern vorliest, sein Lieblingsspielzeug dein Holzdildo ist oder Euer gemeinsames Hobby Fingermalfarben sind, entscheidet deine kreative Ader. Die Investition lohnt sich.