Der außerordentlich großen Anpassungsfähigkeit des Wolfes ist es zu verdanken, dass aus einem wilden Jäger, ein zahmer Gefährte des Menschen wurde. Der Hund wurde zum besten Freund und ist das einzige Lebewesen, das es über die Jahrtausende geschafft hat, eine feste Beziehung zum Menschen aufzubauen.

Inzwischen besteht kein Zweifel, der Hund stammt vom Wolf ab. Durch archäologische Funde wurde die Existenz des Hundes in menschlicher Gesellschaft bereits vor über 15.000 Jahren datiert. Das erstaunliche ist, dass der Hund noch vor dem Huhn, dem Schwein und dem Schaaf domestiziert wurde und das obwohl der Hund nie in erster Linie der Ernährung des Menschen diente. Grund für die Domestizierung des Wolfes, waren andere Faktoren, über die wir mutmaßen können.

Der zahme Wolf war sicherlich eine Unterstützung bei der Jagd. Sowohl Mensch als auch Wolf verwendeten ähnliche Strategien und Jagdtaktiken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Wege des frühen Menschen und des Wolfes genau beim Jagen kreuzten und man Gemeinsamkeiten und symbiotische Faktoren erkannte. Eventuell teilten beide die gleiche Beute und profitierten von den Jagderfolgen des anderen. Zum anderen fühlten sich die Wölfe durch die anfallenden Abfälle der Menschen angezogen. So wurde einseits biologischer Unrat von menschlichen Siedlungen beseitigt und zum anderen eine zusätzliche Ernährungsgrundlage für den Wolf geschaffen.

Während der Domestizierung verwandelte sich der Wolf optisch aber auch physiologisch. So war er irgendwann in der Lage stärkehaltige Nahrung zu verdauen, um die Abfälle des Menschen fressen zu können. Der spätere Hund wurde zur Wärmequelle im Winter, Beschützer des menschlichen Rudels und wertvoller Assistent bei der Jagd.

Gleich drei eigenständige Präsentationen zur Beziehung von Wolf, Hund und Mensch bietet die neue Sonderausstellung der Keltenwelt am Glauberg.

Wie der Mensch auf den Hund kam

Mehr als 30.000 Tierknochen förderten Archäologen bei Grabungen in einer frühkeltischen Siedlung im baden-württembergischen Hochdorf von 1989 bis 2000 zu Tage. Sie einzelnen Arten zuzuordnen, gehört zur Arbeit der Archäozoologie.

Die Zähmung des Wolfes
© keltenwelt-glauberg-von Meixner-Wolf

In der Ausstellung „Die Zähmung des Wolfes – eine archäologische Spurensuche“ präsentiert das Keltenmuseum Hochdorf/Enz neben eigenen Funden auch Leihgaben, die den Prozess der Domestikation des Wolfes, „an dessen Ende der Hund steht“ nachvollziehbar machen.

„Was können archäologische Funde aus verschiedensten Zeiten und Ländern über die Geschichte des Hundes erzählen? Welche Rolle spielte der Hund für die damaligen Menschen?“ Nur zwei Fragen, die die Ausstellung beantwortet. Neben viel Wissen über Wolf und Hund vermittelt sie auch umfangreiche Informationen über die  Arbeitsweise  der Archäozoologie.

Hüter des Hauses und treuer Gefährte

Dass der Hund bereits seit Jahrtausenden ein Gefährte des Menschen ist, zeigen auch die Funde, die Dr. Vera Rupp für die ergänzende Schau „Der Hund in Hessen, Gefährte seit Jahrtausenden“ zusammengetragen hat. Sie stammen vom Glauberg selbst, wurden aber auch beim Römerkastell Zugmantel oder bei neuen Ausgrabungen in  Offenbach-Rumpenheim oder Butzbach und vielen anderen Orten entdeckt.

Halsband für Hunde
© keltenwelt am Glauberg-Halsband Ch_Roeder

Die Museumsdirektorin hat sich entschieden, die Objekte aus Ausgrabungen, hessischen Museen und Sammlungen den Besuchern der Keltenwelt am Glauberg nicht chronologisch, sondern in thematisch geordneten Vitrinen und ergänzenden Texttafeln zu präsentieren.

Dr. Vera Rupp: „Es ist erstaunlich, wie breit das Arbeitsfeld der Hunde seit jeher ist. Früher wurden sie vor allem als Hütehunde, Beschützer von Haus und Hof oder als „Pferd des kleinen Mannes“, also zum Ziehen kleiner Karren, eingesetzt.

Heute leisten sie verstärkt Dienste als Rettungshunde, Begleiter von Behinderten oder als Polizei- und Zollhunde. Ihr wichtigster Job ist jedoch der des Familienmitglieds.

Zu den eindrucksvollsten Exponaten des Museums (in der Dauerausstellung zu sehen) gehört eine reich verzierte Schwertscheide aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, die bei den Ausgrabungen am Glauberg entdeckt wurde. Sie zeigt unter anderem eine Szene, in der sich zwei groß gewachsene Hunde „kräftigen Bestien“ entgegenstellen. Dr. Vera Rupp: „Man kann davon ausgehen, dass das Schwert einem Krieger mit herausragender Stellung im Gefolge des Glauberger Keltenfürsten mit ins Grab gegeben wurde.“

zwei groß gewachsene Hunde stellen sich „kräftigen Bestien“ entgegen
© Keltenwelt am Glauberg-Schwert

 

Aus dem Archäologischen Museum der Stadt Frankfurt stammt ein „sitzender Hund“, eine kleine Terrakotta-Figur, die in NIDA, heute der Frankfurter Stadtteil Heddernheim, entdeckt wurde. Sie zeigt, dass in römischer Zeit nicht nur Gottheiten beliebte „Motive“ für Plastiken waren, sondern auch: Hunde.

Hunde waren beliebte Motive für Plastiken
© keltenwelt am Glauberg-Keltische Hunde-Fotograf Joerg Baumann

 

Von Frankfurt in die Wetterau. Dort stießen Archäologen bei Butzbach auf ein Frauengrab, das vermutlich in die Jungsteinzeit (um 2000 vor Christus) datiert. Es enthielt als Beigabe unter anderem eine Kette mit Hundezähnen. War es ein Talisman der Trägerin, ein Amulett, das sie vor Unheil schützen sollte?

Kette mit Hundezähnen
© keltenwelt-glauberg-Kette aus Hundezaehnen

 

Wie hart der Mensch mit seinem Gefährten umging, dokumentiert ein eisernes Kettenhalsband mit 45 Stacheln, das aus dem Mittelalter/der frühen Neuzeit stammt und vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt für die Ausstellung zur Verfügung gestellt wurde. Es diente zur Abwehr von Wölfen und Bären und sollte den Hund dazu bringen, die „Nase in den Wind“ zu halten, um Angreifer rechtzeitig zu wittern.

Geschützter und gefürchteter Wolf

Kein Wildtier polarisiert so stark wie er: Ob als Rotkäppchen fressendes Untier inszeniert, zum „edlen Wildtier“ stilisiert oder von Nutztierbetrieben gefürchtet – neutral wird er nur sehr selten betrachtet. Nun ist er zurück in Deutschland: Canis lupus, der Wolf!
Wie sieht es in Hessen mit dem Wolf aus? Diese Frage beantwortet die Ausstellung des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie zum Vorfahren des „besten Freundes des Menschen“. Sie informiert über die aktuelle Einwanderung von Wölfen nach Deutschland, erste „Besiedlungsversuche“ in Hessen, darüber wie Wölfe leben und was sie von Hunden unterscheidet. Auch zeigt die Ausstellung, welch´ lange Geschichte Wölfe und Menschen miteinander verbindet.

Keltenwelt am Glauberg – Veranstaltungstipps:

03. Juni 2016: Vortragsabend zum Thema „Wolf“

14. August 2016: „Aktionstag Hund“ – unter anderem mit Hütevorführung und Zughundesport

25. September 2016: Info-Tag „Wolf“

14. Oktober 2016: Archäologin Professor Dr. Susanne Sievers spricht über „Tiere in der Welt der Kelten“.

Hunde sind übrigens im Archäologischen Park willkommen nur in die Ausstellungsräume dürfen sie nicht.

See more at: Sonderausstellung der Keltenwelt am Glauberg