Polizeihunde können Verbrecher, Rauschgift und Sprengstoff aufspüren. Bei vielen Einsätzen verschaffen sie den Beamten aber auch vor allem Respekt. Und wenn es nötig ist, dann bekommen sie das Kommando zum Beißen.

Bremen – Nanuk ist mit seinen zwei Jahren noch ein junger Hund – aber trotzdem schon ein Vollprofi. Mit seiner Nase kann er geflüchtete Diebe oder versteckten Sprengstoff erschnüffeln. Einmal durchsuchte er nach einem nächtlichen Einbruch in einer Gaststätte eine angrenzende Wohnung, die vermeintlich leer war. Im Schlafzimmer bellte er anhaltend – ein Zeichen für die Polizisten, dass der Schäferhund dort eine Person gestellt hatte.

Tatsächlich war es ein älterer Bewohner der Wohnung, der den Einsatz verschlafen hatte. Ein skurriler Einsatz, Polizeibeamter Tobias T. schmunzelt, wenn er die Geschichte erzählt. Seinen Nachnamen möchte er als Verfolger von Straftätern lieber nicht öffentlich machen. „Wir haben uns mehrfach bei dem Mann entschuldigt“, sagt er. Alle Beteiligten hatten sich erschrocken. Lob bekam Nanuk trotzdem. Schließlich hatte der Diensthund den Job aus seiner Sicht gut gemacht.

Polizeihunde im Team

Tobias T. und Nanuk bilden seit kurzem bei der Polizeihundestaffel in Bremen ein Team. Das bedeutet: Der Schäferhund lebt in der Familie des 42-Jährigen. Der Beamte bringt das Tier mit zur Arbeit, beide trainieren gemeinsam, gehen auf Streife, werden zu Einsätzen gerufen. Am Ende der Schicht kommt Nanuk wieder mit nach Hause. Bei Tobias T. lebt auch Nanuks Vorgänger, der seit zwei Jahren in Rente ist. „Die Tiere gehören zwar der Polizei, der Hundeführer kümmert sich aber 365 Tage im Jahr“, sagt Michael Bartsch, Leiter der Diensthundestaffel. „Die Familie muss dahinterstehe“, betont Tobias T..

Dass die Hunde friedlich mit kleinen Kindern in einem Haushalt lebten, zeige auch, dass die Vierbeiner sozial verträglich seien. „Sie sind keine Bestien“, unterstreicht Bartsch, „sie sind auch keine Waffe“. Dennoch seien die Tiere auch nicht Attrappen. „Sie werden gezielt eingesetzt“, sagt Bartsch. Das bedeutet im Klartext: Wenn nötig, wird das Kommando zum Beißen gegeben. „Der Hund ist dazu da, mich vor Angriffen zu schützen“, sagt der Polizist.

Mit Hund auf Verbrecherjagd
SOURCE: © Ingo Wagner/dpa

Deshalb sind Diensthunde nicht nur bei Fußballspielen mit aggressiven Fans mit dabei, sondern auch bei Einsätzen in Zusammenhang mit kriminellen Familienclans. Jüngst wollten Beamte die Wohnung eines Clanmitglieds mit Migrationshintergrund mit einer richterlichen Anordnung durchsuchen. „Die Großfamilie wollte das nicht zulassen“, sagt Bartsch. Zwei Beamte der Diensthundestaffel wurden samt ihren Vierbeinern gerufen. Die Wohnung konnte daraufhin störungsfrei durchsucht werden. „So ein Hund ist schon sehr respekteinflößend“, sagt Bartsch.

Mehr als 100 Jahre Polizeihunde

Seit mehr als 100 Jahren gehen Polizeihunde bundesweit auf Streife. Nach der zehnwöchigen Grundausbildung werden sie über ein Jahr in der Praxis weitergebildet. Die Tiere spüren nicht nur Einbrecher auf, die sich in Gebäuden versteckt haben oder die auf der Flucht sind, sondern auch Diebesgut. „Wir machen uns die Nase des Hundes zunutze“, sagt Tobias T. Nanuk finde auch tief im Boden vergrabene Sachen.

Erst nach der Ausbildung können sich die Hunde dann spezialisieren. Schäferhund Nanuk ist Sprengstoffexperte. „Das passt zu ihm“, sagt Tobias T. Er suche ruhig und intensiv. „Und der Bedarf ist da.“