Die Leistung von Zollhunden wird regelmäßig überprüft. In bundesweiten Wettbewerben wird etwa getestet, wie gut die Tiere auf ihre Herrchen hören und ob sie in Konfliktfällen auch ein guter Schutz für die Beamten sind. Wer durchfällt, muss zur Nachhilfe.

Salem – Hummer ist voll konzentriert. Der belgische Schäferhund steht neben seinem Herrchen und lässt den Angreifer nicht eine Sekunde aus den Augen. Als der aggressive Mann schreit und auf die beiden zugeht, reagiert Hummer sofort. Er springt auf, beißt dem Mann in den Arm und hält ihn so auf Abstand zu seinem Herrchen. Doch erst jetzt kommt die eigentliche Bewährungsprobe für Hummer: „Aus!“, ruft Achim Trede und „Platz!“. Sofort lässt Hummer von dem Mann ab und setzt sich wieder neben ihn. Dafür gibt es am Ende sehr gute Noten vom Wertungsrichter – Hummer und Trede nehmen in Salem am Bodensee an einer Leistungsprüfung für Zollhunde teil.

„Das ist eine Art TÜV für die Tiere“, sagt der Leiter des Hauptzollamtes Ulm, Rainer Bühler. Dabei werden die Hunde in verschiedenen Disziplinen geprüft: Gemeinsam mit ihrem jeweiligen Zollbeamten müssen sie durch eine Gruppe von Menschen laufen, auf Kommandos wie „Platz“, „Fuß“ oder „Sitz“ hören und einen Gegenstand apportieren, ohne sich von Geräuschen oder anderen Hunden ablenken zu lassen.

Aber auch in Konfliktsituationen müssen die Tiere sich gehorsam und korrekt verhalten. „Bei der Übung mit dem Angriff muss Hummer spätestens auf mein zweites Kommando hin von dem Mann ablassen“, sagte Trede nach der Übung, die sein Hund mit 86 von 100 möglichen Punkten absolviert hat. „Wenn das nicht klappt, wären wir sofort raus.“ Und das hätte auch Auswirkungen auf Hummers Arbeitsalltag: Nur wenn die Hunde die Leistungsprüfung bestehen, dürfen sie weiterhin im Dienst eingesetzt werden. Wer es nicht schafft, muss zur Nachhilfe.

Sitz! Platz! Aus! - Zollhunde müssen sich im Leistungstest bewähren
Zollhundeführer Achim Trede und sein Schäferhund Hummer laufen am 10.10.2017 bei einer Prüfung in Salem (Baden-Württemberg) dicht nebeneinander. SOURCE: © Felix Kästle/dpa

Zollhunde seit 1958 in der Ausbildung

Ausgebildet werden die Zollhunde seit 1958 zentral an zwei Hundeschulen, im bayrischen Neuendettelsau und im niedersächsichen Bleckede. Die Tiere würden mit rund einem Jahr von Züchtern gekauft und bildeten vom ersten Tag der Ausbildung an ein enges Team mit einem jeweiligen Zollbeamten, sagt Zollsprecher Hagen Kohlmann. „Das muss passen.“

Eingesetzt werden vor allem deutsche und belgische Schäferhunde. Nach Angaben des Vereins für Deutsche Schäferhunde aus Augsburg ist die Rasse physisch und psychisch hoch belastbar, aufmerksam und robust. „Schäferhunde sind sehr lernbereit und spielen gerne“, sagt die Sprecherin Roswitha Dannenberg. „Bei der Ausbildung macht man sich die natürliche Veranlagung der Hunde zunutze.“

Allerdings sei auch nicht jeder Schäferhund ein idealer Diensthund: „Sie sind ungemein vielseitig. Schäferhunde werden auch als Familienhunde, als Blindenführhunde oder auch als Privathunde im sportlichen Bereich eingesetzt“, sagt Dannenberg. „Das ist eine unheimlich große Bandbreite, die der Hund erfüllen kann.“ Da der Diensthund seinen Feierabend in der Regel als Familienhund bei seinem Hundeführer verbringe, sei eine enge Bindung zwischen ihnen besonders wichtig.

Achim Trede und Hummer sind seit 2010 ein eingespieltes Team. „Hummer ist schon mein vierter Diensthund“, sagt der Zollbeamte aus Kiel. Ihm sei es vor allem wichtig, dass die Tiere sehr sozial seien. „Ich habe drei Kinder und inzwischen auch zwei Enkelkinder. Die Hunde haben immer mit uns in der Familie gelebt.“ Wer Hundeführer beim Zoll werden wolle, müsse auch viel Leidenschaft für die Tiere mitbringen: „Die ersten Jahre der Ausbildung sind sehr intensiv. Da steckt man auch viel Freizeit rein.“

Zollhunde sind vielseitig im Einsatz

Eingesetzt werden die Hunde beim Zoll in zwei Bereichen: Zum einen spüren sie bei Kontrollen Rauschgift, Zigaretten oder Bargeld auf.

Zum anderen sind viele Zollhunde auch als Schutzhunde ausgebildet – dabei stellen sie flüchtige Personen oder schützen die Zöllner vor Angriffen. Die Ausbildung der Hunde lässt sich der Zoll einiges Kosten – pro Hund käme durchaus eine fünfstellige Summe zusammen, sagt Bühler. Das seien die Tiere aber durchaus wert: Hummer entdeckte vor einigen Jahren beispielsweise rund 60 Kilogramm Drogen an einer Autobahnraststätte.