Hilfe Flöhe – sie sind der Alptraum aller Hundehalter. Die Parasiten können Juckreiz, Allergien und Krankheiten verursachen. Über die Plagegeister kursieren viele Gerüchte. Doch was ist wahr?

Legenden zufolge sind Flöhe ausschließlich bei warmem Wetter unterwegs und springen dann munter von Hund zu Hund. Falsch! Flöhe bevorzugen zwar Temperaturen von 25 bis 30 Grad Celsius und bei niedriger Außentemperatur ist ihre Vermehrung eingeschränkt – doch die Parasiten haben ganzjährig Saison. Und es ist eine Herausforderung die Parasiten zu bekämpfen.

Angelockt duch Atem von Hunden

Meist bleiben Flöhe ihr bis zu 100 Tage währendes Leben einem Wirt treu. In der Regel sammeln Hunde ihren Floh in der Umgebung auf, etwa beim Gassigehen. Ein erwachsener Floh kann geschützt in seinem Kokon bis zu einem Jahr ohne Nahrung überleben und darauf warten, dass sich ein Wirt nähert. Was einen weiteren Mythos entkräftet: Dass Flöhe ohne Blutmahlzeit schnell sterben. Die Nähe des Wirts erkennt der Floh durch die Erschütterung des Bodens und am Kohlendioxidgehalt des Wirtstieratems, um dann mit einem gewaltigen Sprung von bis zu 45 Zentimetern seinen Blutspender zu erobern.

Putzen alleine beseitig Flöhe nicht

Laut Legende nisten Flöhe sich nur in schmutzigen Wohnungen ein. Doch ihr winziger Nachwuchs findet auch in einem blitzblanken Apartment Unterschlupf in Bodenritzen, im Teppich, zwischen Sofakissen und in den Körbchen von Hund und Katze. Staubsaugen und Putzen reduziert zwar die Anzahl der Flöhe, beseitigt sie aber nicht.

„Mein Terrier-Mix Keule und ich hatten unwissentlich einen verflohten Hund zu Besuch“, sagt Hundehalter Thomas Germeshausen aus Birkungen in der Nähe von Göttingen. „Und kurze Zeit später wimmelte es in der Wohnung von den Parasiten. Trotz intensiven Putzens hat es fast neun Wochen gedauert und den zweifachen Einsatz von Verneblern gebraucht, die Parasiten loszuwerden.“

Flöhe in der Wohnung bekämpfen

Um Flöhe in der Wohnung zu bekämpfen und ein akutes Flohproblem in den Griff zu bekommen, müssen alle Tiere im Haushalt behandelt werden. Außerdem müssen Betten, Polstermöbel und Teppiche gereinigt werden, erklärt Katharina Raue. Sie leitet die Abteilung Diagnostik und Dienstleistung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. „Nach dem Staubsaugen muss der Saugbeutel verschlossen und umgehend entsorgt werden.“ Hundedecken und Textilien sollten Halter bei 60 Grad waschen. Nicht waschbare Textilien können bei minus 18 Grad über mehrere Tage eingefroren werden, um Flöhe abzutöten.

Ein Floh beißt zwei- bis viermal pro Tag

Die Aussage, ein Floh allein sei kein Grund zur Sorge, gehört ins Reich der Ammenmärchen. „Die ausgewachsenen Flöhe sind nur die Spitze des Eisbergs“, bestätigt Raue. Über 90 Prozent der Population befinden sich als Eier, Larven und Flohpuppen in der Umgebung. So kann ein Flohweibchen täglich 40 bis 50 Eier legen. Folglich befindet sich ein Floh in Gesellschaft hunderter Artgenossen. Bei allergischen Hunden reicht ein Stich, um Juckreiz auszulösen. Und ein Floh beißt zwei- bis viermal pro Tag.

Flohstiche jucken nicht immer

Der in Deutschland ganzjährig am häufigsten auftretende Floh ist nicht wie häufig angenommen der Hunde- sondern der Katzenfloh. Von seinem Namen darf man sich nicht täuschen lassen: Da dieser Floh nicht wirtsspezifisch ist, befällt er auch Hunde, Ratten und Menschen. Oft bemerken Zweibeiner den Parasitenbefall zu spät. Denn nicht immer jucken Flohbisse.

Mögliche Folgen von Flohstichen

Meist wird unterschätzt, dass Flohbefall für Tier und Mensch medizinische Folgen haben kann. Flohstiche können zu Hautirritationen führen und Bakterien sowie Bandwürmer (Gurkenkernbandwurm) übertragen. „Die Floh-Allergie-Dermatitis, kurz FAD, ist bei Hunden und Katzen eine der häufigsten Ursachen für Fellverlust und Hautentzündungen“, sagt Raue.

Ein Floh saugt während einer Saugzeit von zwei bis zehn Minuten das bis zu 20-fache Fassungsvermögen seines Magens. So kann ein starker Parasitenbefall bei jungen oder schwachen Tieren zu Blutarmut oder gar zum Tod führen. Zu den bakteriellen Erkrankungen gehört die Bartonellose, auch: Katzen-Kratz-Krankheit. Auch Menschen können sich damit anstecken.

Präventive Bekämpfung

Dem Füttern von Knoblauch, Einreiben mit Zwiebel oder Tragen eines Bernsteinhalsbandes wird abschreckende Wirkung auf Flöhe nachgesagt, beeindruckt diese aber gar nicht. Knoblauch und Zwiebel sind für Hunde sogar giftig. Handelsübliche Anti-Floh-Sprays, Puder und Shampoos dienen aufgrund ihrer kurzen Wirksamkeit eher als Erste Hilfe und sind zur langfristigen Bekämpfung und Vorbeugung nicht geeignet. „Wir empfehlen Mittel wie die Anti-Floh-Pille, Halsbänder und Spot-ons, die direkt am Tier aufgetragen werden“, sagt Christine Throl, Sprecherin von „Öko-Test“.

Flöhe: Was du zum Flohbefall beim Hund wissen solltest
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Spot-on-Präparate wirken rund vier Wochen, Tabletten und Halsbänder können Flöhe über Monate abtöten. Weiterer Vorteil: Sie schützen auch gegen andere Parasiten wie Zecken. Nach Ablauf des Zeitraums muss die Behandlung wiederholt werden. Chemische Mittel wie Vernebler zum Bekämpfen der Parasiten sind nur in Ausnahmesituationen einzusetzen, etwa wenn der Flohbefall mehrere Monate anhält. Um Behandlungsfehler zu vermeiden müssen die Angaben auf dem jeweiligen Beipackzettel genau befolgt werden. „Gegebenenfalls empfiehlt es sich, einen Schädlingsbekämpfer zurate zu ziehen“, meint Throl.

Generell sollte vor dem Einsatz von Flohmitteln aller Art ein Tierarzt konsultiert werden. Am sichersten und einfachsten ist der Flohschutz rund ums Jahr. „Qualität ist unabhängig vom Preis“, so Throl. „Flohhalsbänder gibt es bereits für unter zehn Euro.“

Juckt es dich jetzt auch so wie mir? Wie beugst du dem Flohbefall bei deinem Liebling vor?