Hunde, die durch aggressives Verhalten auffällig geworden sind oder aufgrund ihrer Rasse als potentiell „gefährliche Hunde“ gelten, müssen sich in vielen deutschen Bundesländern einem Wesenstest unterziehen. Aber was ist das überhaupt?

Als nützliches Handwerkszeug, um die Verhaltensweisen eines Hundes hinsichtlich besonderer Eigenarten und Charakterzüge zu analysieren, war der sogenannte Wesenstest für Hunde lange Zeit nur in Züchterkreisen oder bei der Auswahl zukünftiger Diensthunde interessant. Außerdem begutachtete man mit ihm durch aggressives Verhalten auffällig gewordene Hunde.

Seit im Jahr 2000 deutschlandweit die sogenannte „Kampfhunddiskussion“ entfachte, hat der Wesenstest eine weitere Aufgabe: In den meisten deutschen Bundesländern soll er das Aggressionspotential sogenannter „gefährlicher Hunde“ bestimmen. Besteht ein „gefährlicher Hund“ den Test nicht, erwarten seinen Besitzer Sanktionen oder sogar die Beschlagnahmung des Hundes.

Wie genau ein Wesenstest abläuft und wer ihn durchführen darf, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden – Wesenstest ist nicht gleich Wesenstest.

Während in einigen Ländern ein standardisierter Kurztest und die Sichtung des Hundes durch einen Experten des zuständigen Ordnungsamtes genügen, wird beispielsweise in Niedersachsen der Test deutlich komplexer durchgeführt. Der von Fachwissenschaftlern entwickelte niedersächsische Test, der in den meisten Fällen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführt wird, beobachtet und analysiert a) den Hund-Mensch-Kontakt, b) den Hund-Umwelt-Kontakt, c) den Hund-Hund-Kontakt und d) den Gehorsam des Hundes. Hier nimmt der Test mehrere Stunden in Anspruch, wird von einem Tierarzt mindestens zweimal durchgeführt, auf Video mitgeschnitten, nach einem engmaschigen Punktesystem ausgewertet und liefert schließlich ein rund achtseitiges Gutachten.

Dabei werden der Hund und seine Reaktionen auf aggressionsauslösende – bedrohliche oder ängstigende – Reize nicht pauschal auf Gefährlichkeit, sondern auf Adäquatheit hin überprüft.

Aggressionsverhalten ist für Hunde eine Kommunikationsform und wichtiger Bestandteil sozialen Geschehens. Nur ein Hund, der seinem Trieb stufenlos ausgeliefert scheint und keine Handlungsalternativen oder kein Unterbrechen der Situation zulässt, bekommt Abzüge im Test. Dabei spielt auch die Kompetenz des Hundebesitzers eine wichtige Rolle. Er muss imstande sein, seinen Hund zu beeinflussen und dessen Verhalten deeskalierend zu lenken.

Kritiker des für „gefährliche Hunde“ gesetzlich verpflichtenden Wesenstestes begründen dies mit einem Mangel an Belegen für das aggressivere Verhalten jener Hunderassen.