Ronja leidet. Der Mops ist todkrank und muss teure Arzneien nehmen. Seine Besitzer wollten neben einer Teilerstattung des Kaufpreises auch das viele Geld für Tierarzt und Medikamente zurückhaben. Doch vor Gericht bekommen sie nur teilweise recht.

Ingolstadt – Es ist ein Teilsieg – für seinen todkranken Mops Ronja hat ein Ehepaar immerhin die Erstattung der Hälfte des Kaufpreises erstritten. Die Hundebesitzer erhalten 700 Euro von der Züchterin zurück. Wegen eines Gendefektes sei das inzwischen fünfjährige Tier „tatsächlich mangelhaft“; und deswegen sei ein Kaufpreisabschlag gerechtfertigt, begründete das Landgericht Ingolstadt sein am Mittwoch verkündetes Urteil.

Auf den zig Tausend Euro hohen Behandlungskosten für den an Gehirnentzündung erkrankten Mops bleibt das Ehepaar Jürgen und Marlies Pflaum aus dem fränkischen Ostheim vor der Rhön allerdings sitzen. Diesen Teil der Schadenersatzklage wies das Gericht ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Mops Ronja leidet an Pug Dog Encephalitis (PDE)

Ronja bekommt in Folge der Pug Dog Encephalitis (PDE) genannten Krankheit seit ihrem zweiten Lebensjahr epileptische Anfälle. Sie ist auf einem Auge blind und läuft schlecht. In den Augen seiner Besitzer ist der Hund ein Pflegefall. Die kinderlosen Eheleute sind der Überzeugung, dass die Erkrankung ihres Lieblings auf züchterisches Fehlverhalten zurückgeht.

Für Tierarztkosten und Medikamente haben die Pflaums nach eigener Aussage mittlerweile an die 15 000 Euro ausgegeben. Mit dem Prozess wollte das Ehepaar 75 Prozent des Kaufpreises in Höhe von 1400 Euro, also 1050 Euro – und knapp 5500 Euro für Tierarztkosten zurückhaben.

Das Gericht unterschied in seinem Urteil aber zwischen der Kaufpreisminderung und den krankheitsbedingt angefallenen Tierarztkosten. Was den Kaufpreis betrifft, gestand der Vorsitzende Richter Stefan Schwab der gewerblichen Züchterin keinen Gewährleistungsausschluss zu, wie er bei Hundeverkäufen unter Privatleuten üblich ist. Deshalb bekommen Frauchen und Herrchen den halben Preis zurück.

Anders verhält es sich nach Überzeugung des Gerichts mit den Tierarztkosten. Bei diesem Teil der Klage sei der Züchterin kein Verschulden anzulasten. „Die Züchterin hatte keine Kenntnis und musste auch keine Kenntnis vom Gendefekt haben“, so das Gericht. Das zu frühe und zu häufige Decken von Ronjas Mutter habe darauf keinen Einfluss gehabt. Bei der Übergabe des zwei Monate alten Mopses an das Ehepaar sei im Übrigen noch keine Krankheit erkennbar gewesen. „Weder die Eltern noch die Geschwister hatten eine solche Krankheit“, heißt es in der Urteilsbegründung.

Kein langes Hundeleben für Mops Ronja

Zur mündlichen Verhandlung am 15. März war auch Deutschlands derzeit wohl prominenteste Mopshundebesitzerin und PR-Lady Uschi Ackermann aus München erschienen. Sie hatte Sir Henry mitgebracht, der freilich nicht in den Sitzungssaal durfte – bei Gericht herrscht Hundeverbot. „Ich will, dass die Gerechtigkeit siegt“, sagte sie in die Kameras und drückte ihrem elf Jahre alten Liebling ein Küsschen auf die Wange. Ackermann hat vor Gericht schon einmal einen Prozess für ihren Hund gewonnen.

Teilsieg für Frauchen und Herrchen von todkrankem Mops Ronja
ARCHIV: Zahlreiche Mopsbesitzer haben sich am 18.11.2013 in Ingolstadt (Bayern) vor dem Amtsgericht versammelt. SOURCE: © Marc Müller/dpa

Jürgen Pflaum schilderte damals, mit der Diagnose Gehirnentzündung habe ein langer Leidensweg für Ronja und das kinderlose Ehepaar begonnen. „Es sind viele Tränen geflossen.“ Der Hund muss regelmäßig zum Tierarzt und sogar in Tierkliniken. „Ronja ist ein Pflegefall“», so Pflaum. Immerhin: Dem Mops geht es momentan besser. Frauchen und Herrchen dosieren die zahlreichen Medikamente sparsamer. Dies ändert freilich nichts daran, dass die Krankheit unheilbar ist und Ronja kein langes Hundeleben beschieden sein dürfte.

Von wegen süß: Viele Möpse leiden für ihr niedliches Aussehen

Wer sich einen Mops zulegen möchte, sollte schon beim Kauf genau hinschauen, ob das Tier leidet. Denn das niedliche Aussehen der Möpse wurde erzüchtet – häufig handelt es sich um eine sogenannte Qualzucht. „Die bei vielen Käufern begehrten optischen Merkmale haben für das Tier oft schwere gesundheitliche Folgen“, warnt Andrea Furler-Mihali vom Deutschen Tierschutzbund.

Die plattgedrückte Nase führt häufig zu Atemnot. Wenn das Tier besonders viel röchelt, ist das ein Hinweis. Die doppelt eingerollte Rute geht oft mit einer Instabilität der Wirbelsäule einher. Die Folge sind Schmerzen, Probleme beim Gehen oder Inkontinenz. Der verformte Schädel des Tieres führt zu Augenproblemen. Die können manchmal nicht richtig geschlossen werden, Hornhautverletzungen und Erblindung können die Folge sein. Extreme Hautfalten können ebenfalls die Augen verletzen.

„Die Symptome müssen nicht unbedingt von Geburt an vorhanden sein“, sagt Furler-Mihali. Sie können mit dem Alter schlimmer werden. Mehrere tierärztliche Vereinigungen, darunter die Bundestierärztekammer, haben eine Checkliste für den Kauf zusammengestellt. Vorsicht sollte etwa geboten sein, wenn der Mops schnell aus der Puste ist oder bei mäßigen Temperaturen stark hechelt. Käufer sollten sich demnach lieber für einen Mops mit ausgeprägter Nase entscheiden, um derartige Züchtungen nicht zu unterstützen – und auch nicht aus Mitleid ein krankes Tier kaufen.