Das neuartige Corona-Virus sorgt jeden Tag für Nachschub auf der Angst-Front: Ausgangssperren, Quarantäne-Anordnungen, Todesfälle. Auch durch die Hundebranche ging ein Raunen, nachdem die Medien über einen positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Hund in Hongkong berichteten. Können auch Haustiere an der Krankheit erkranken? Wir räumen mit den Gerüchten auf und helfen Dir durch die Corona-Krise zu kommen.

Fakt Nr. 1: Von Haustieren geht keine Gefahr aus

Nach der Ende Februar verbreiteten Meldung über einen Hund in Hongkong, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde, haben die chinesischen Behörden angeordnet, in einer groß angelegten Aktion Straßenhunde zu töten. Kein Wunder, dass die Verunsicherung bei Tierhaltern auch hierzulande deutlich gestiegen ist. Laut dem Deutschen Tierschutzbund berichten viele Tierheime über Nachfragen von besorgten Haltern, die Angst vor Ansteckung durch ihre Tiere haben. Einen Ansturm von Menschen, die ihre Vierbeiner abgeben wollen, gibt es aber derzeit – entgegen der Horrormeldungen aus den sozialen Medien – nicht.

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© WHO

Und das ist auch richtig so. Hunde und Katzen stellen nämlich keine Gefahr da. Bei dem chinesischen Fall handelt es sich lediglich um kleinste Mengen der Erreger, die auf der Nase und in der Schnauze des Hundes gefunden wurden. Der Hund hat die Keime offensichtlich beim Schmusen von seinem erkrankten Besitzer aufgenommen, zeigte selbst aber keinerlei Symptome der Krankheit. Laut den internationalen Behörden für öffentliche Gesundheit und Veterinärmedizin gibt es keinen Hinweis darauf, dass Haustiere das Virus auf den Menschen übertragen oder dass sie selbst daran erkranken können. Sowohl die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und die World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) als auch das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) in Greifswald oder die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonen unisono, dass es keinerlei Anhaltspunkte darüber gibt, dass Haustiere, aber auch Nutztiere wie Schweine und Hühner das Virus verbreiten können.

Tipp Nr. 2: Die Seife ist – nach dem Hund – Dein bester Freund

In vielen Läden länderübergreifend sind Desinfektionsmittel ausverkauft. Dabei wirken viele der Mittel nicht gegen alle Viren. Damit Erreger wie das Corona-Virus mit einem Desinfektionsmittel getötet werden, muss das Mittel sehr viel sehr hochprozentigen Alkohol enthalten. Das Virus müsste im Alkohol regelrecht ertränkt werden, damit es kaputtgeht. Seife dagegen ist ein Allrounder – sie tötet Viren, Bakterien und sogar einige Parasiten. Statt jetzt also die Ladenregale von Desinfektionsmitteln zu befreien, reicht es häufiger die Hände zu waschen. Seife hilft bekanntlich gegen fettigen Dreck und das Coronavirus ist von einem Fettmantel umhüllt. Im Kontakt mit der Seife wird die Hülle der Erreger durch die Seifenmoleküle aufgebrochen: Das Virus platzt auf und stirbt ab.

Da das COVID-19 einige Tage in der Umwelt aber überleben kann – auch auf Hundehalsband oder Leine – solltest Du stets auf gute Hygiene achten. Wasche Dir die Hände häufiger als sonst und vermeide es, Dein Tier zu küssen oder sich von ihm abschlecken zu lassen. Wenn Du nämlich infiziert bist, könnten die Erreger auf seine Schleimhäute gelangen und von dort zu weiteren Personen gelangen.

Tipp Nr. 3: Toilettenpapier hilft nicht

Anders als Rota- oder Noroviren, die schlimme Durchfälle verursachen, lösen Corona-Viren – also auch das COVID-19 – keine Magen-Darm-Beschwerden aus. Einen erhöhten Bedarf an Toilettenpapier bei einer Infizierung muss man also nicht befürchten. Die Versuche, die Erreger mit dem Papier einfach abzuwischen, werden ebenfalls nicht fruchten. Hamsterkäufe sind dementsprechend völlig irrational. Eine klassische Übersprunghandlung.

Tipp Nr. 4: Gassi gehen trotz Corona

Anders als Menschen, die bei verhängter häuslicher Quarantäne ihr Zuhause nicht verlassen dürfen, ist es Hunden erlaubt – und auch notwendig. Wenn Du nicht gerade einen eigenen Garten besitzt, sorge für Hilfe für den Notfall. Organisiere rechtzeitig ein paar Gassigeher, die Dich unterstützen – Freunde, Familie oder Nachbarn. Zurzeit rüsten auch Tierpensionen um, die wegen abgesagter Urlaubsreisen leer bleiben, auf Notbetrieb um. Erkundige Dich, ob sie nicht auch Gassigänge mit Deinem Hund übernehmen, falls Du wegen häuslicher Quarantäne das Haus nicht verlassen darfst.

Das Unternehmen Gassihelden bietet jetzt auch ehrenamtliche Gassiausflüge für bedürftige Personen im Raum München:
– mit Corona infizierte Menschen,
– Senioren, die zur Risikogruppe gehören und vorläufig besser zu Hause bleiben,
– Menschen mit Vorerkrankungen, für die Kontakte ebenfalls ein Risiko darstellen,
– Menschen in Quarantäne.
Die Gassihelden holen die Hunde kontaktlos von zu Hause ab und desinfizieren die Leinen. Überregional findest Du bestimmt bei Rover einen Hundesitter.

Tipp Nr. 5: Notfallpläne sind für Risikogruppen sinnvoll

Ein Krankenhausaufenthalt aufgrund einer Corona-Erkrankung ist extrem unwahrscheinlich. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen hierzulande liegt bei 82,1 Jahren. Der jüngste verstorbene Patient war eine 49-jährige Frau mit einer Behinderung und mehrfachen Vorerkrankungen, die an Herzversagen starb. Bisher sind 70 Todesfälle in Deutschland registriert. An Grippe sind allerdings – allein dieses Jahr – 265 Menschen gestorben.

Gehörst Du zur Risikogruppe der Älteren oder chronisch Kranken? Dann solltest Du einen Plan für den Fall erstellen, dass eine mögliche Infizierung schwerer verläuft und Du im Krankenhaus landest, damit bei Bedarf jemand für Dein Tier sorgen kann. Gerade bei kranken Hunden und Katzen ist es wichtig, ausreichend verschriebene Medikamente zu haben, um sie während Deiner Abwesenheit angemessen versorgen zu können. Bei einem Engpass solltest Du auch das lokale Tierheim in Betracht ziehen, wo Du Deinen Vierbeiner für die Zeit Deiner Abwesenheit abgeben kannst.

Fazit:

Die Corona-Krise schlägt um sich, in Panik zu verfallen hilft es aber keinem. Die Sterblichkeitsrate in Deutschland ist deutlich niedriger als bei Grippe. Jetzt gilt es, die massive Verbreitung des Virus einzudämmen, um die Risikogruppe der Senioren und chronisch Kranken zu schützen. Wichtig ist, sorgsam auf die Hygiene zu achten und auf exzessive Schmuseeinheiten mit Deinem Hund zu verzichten. Solltest Du selbst infiziert sein und es nicht einmal merken, könnten einige Erreger von den Schleimhäuten des Tieres auf andere Menschen übertragen werden.

Damit Dein Haustier nicht unter den Auswirkungen einer verhängten Quarantäne oder Deiner Abwesenheit leidet, solltest Du für den Notfall vorsorgen und rechtzeitig eine Betreuung organisieren. Und lass die Finger vom Klopapier, wenn Du nicht gerade welches brauchst. Stell Dir vor, andere könnten Durchfall haben.