„Flocke“ gibt den Weg vor, „Blue“ hält das Rudel zusammen und „Biko“ übt noch: Bei Caren Grunwald aus Elz dreht sich alles um Schlittenhunde. Bei Schnee und Kälte fühlen sich ihre Vierbeiner besonders wohl.

Blue“ ist der Boss. Mit seinen durchdringenden Augen – eins blau, eins braun – beobachtet der Husky seine Umgebung ganz genau. Frauchen Caren Grunwald versucht gerade, mit Leckereien ein bisschen Ordnung in den wilden Haufen ihrer sechs Schlittenhunde zu bringen. Es wird schnell klar, warum ein Siberian Husky kein Schmusehund ist, der nur eine Stunde Gassi gehen am Tag und ein warmes Körbchen braucht.

„Das sind Arbeitshunde, die wollen laufen“, sagt Grunwald. Und das dürfen die Hunde der 33-Jährigen aus Elz nahe Limburg: Die Physiotherapeutin und Tierärztin startet beim Schlittenhunderennen.

Hessisch Alaska: 33-Jährige düst mit Schlittenhunden durch den Wald
SOURCE: © dpa/Boris Roessler

Schlittenhunderennen immer beliebter

Dieser Sport werde immer beliebter, schätzt der Hessische Schlittenhunde Amateursportclub, der nach eigenen Angaben zwei Rennen und ein Trainingslager pro Saison organisiert. Da in vielen Regionen in Deutschland selbst im Winter oft nicht genug Schnee liegt, gibt es neben Schlitten- viele Wagenrennen. Die Zughunde werden aber auch vor Fahrräder und Roller gespannt oder ziehen ihr joggendes Herrchen. In der Rennklasse „Happy Dog“ können ältere Tiere antreten – ohne Wertung.

Grunwald wollte sich vor fünf Jahren bei einer Nachbarin eigentlich nur über die Haltung von Siberian Huskys informieren – und hat dann den Welpen „Yuki“ direkt mitgenommen. Als zweiter kam „Blue“ zu ihr und mit ihm der erste Trainingswagen. „Der war allerdings mit 70 Kilo zu schwer für ein Zweiergespann“, erzählt Grunwald.

Inzwischen machen „Jenny“, Leithündin „Flocke“, „Knut“ und der erst acht Monate alte „Biko“ das halbe Dutzend komplett. Zur Familie gehören außerdem noch die beiden Araber-Pferde „Avalon“ und „Faja“, Katze „Momo“ und Kromfohrländer-Hündin „April“.

Hessisch Alaska: 33-Jährige düst mit Schlittenhunden durch den Wald
SOURCE: © dpa/Boris Roessler

Der Einfluss des Hundeschlitten-Fahrers auf seine Tiere ist auf die Stimme begrenzt – wie klappt das in Wald und Flur? „Die Hunde müssen die Kommandos beherrschen, etwa für rechts, links oder steh“, erklärt Grunwald. „Ein Reh bringt schon Stimmung ins Rudel.“ Allerdings führe auch der ausgeprägte Jagdtrieb der Huskys nicht dazu, dass sie mit Wagen oder Schlitten ins Unterholz abbiegen. Und zur Not gibt es Bremsen.

Das Husky-Camp für Schlittenhunde

Jochen Mühl betreibt mit seiner Frau Birgit das „Husky-Camp“ in Butzbach an den Ausläufern des Taunus. Mit seinen zwölf Hunden bietet er unter anderem Wanderungen und Gespannfahrten an. „Die Hunde sind Hochleistungssportler, haben einen extrem starken Willen“, erzählt er über seine Siberian Huskys. Beim Schlittenhundesport setze er auf die „ursprüngliche Art“, das bedeutet lange Distanzen. Beispielsweise die einwöchige „Trans-Thüringia“ über rund 260 Kilometer im Thüringer Wald.

Nach den Schätzungen von Mühl gibt es in Hessen etwa 20 Musher, also Gespannfahrer, die mit ihren Schlittenhunden auf Langstrecken unterwegs sind. Auf den kürzeren Distanzen seien etwa 100 Musher aktiv, sagt Mühl. Auch Sonja Merbach vom Deutschen Schlittenhundesportclub für Langstreckenrennen und Touren schätzt die Zahl der Aktiven in Hessen über alle Rennklassen hinweg auf insgesamt „100 Plus“.

Für den klassischen Schlittenhundesport – also Ziehen über lange Strecken – seien nur die reinrassigen Schlittenhunde geeignet, sagt Merbach. Dazu zählen neben Siberian Huskys etwa Alaskan Malamute oder Samojede. Der Zughundesport etwa mit Rad oder Läufer sei dagegen auch etwas für andere Rassen.

Hessisch Alaska: 33-Jährige düst mit Schlittenhunden durch den Wald
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Caren Grunwald ist mit ihrem Rudel drei bis vier Mal pro Woche unterwegs, bald geht es für eine Woche ins Trainingslager nach Österreich. „Die Hunde sind begeistert von Schnee“, sagt sie. Eine Trainingspause gibt es daher im Sommer – denn eingespannt wird nur bis zu einer Außentemperatur von 15 Grad. Sonst wird es für die Hunde zu heiß.