In Brandenburg werden Wasserortungshunde ausgebildet. Sie unterstützen Rettungstaucher bei der Suche nach Ertrunkenen. Die Anforderungen der Wasserortungshunde sind dabei spezieller als bei Personenspürhunden.

Wasserortungshunde sind keine Rettungshunde

Wasserortungshunde können vom Boot aus Ertrunkene wittern, dabei helfen sie Rettungstauchern bei der Orientierung. Das unterscheidet Wasserspürhunde von Personenspürhunden, die es unterschiedlichster Art sowohl bei der Polizei, als auch bei Hilfsorganisationen gibt. Wasserortungshunde kommen erst zum Einsatz, wenn es meist zu spät für eine Personenrettung ist. Deshalb sind sie keine Rettungshunde im klassischen Sinne. Wasserortungshunde sind eine wichtige eine Unterstützung von Einsatztauchern und helfen dort, wo das Menschliche Auge nicht sehen kann.

Wasserortungshund Otis vom Deutschen Roten Kreuz
Wasserortungshund Otis vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) springt in ein Boot mit dem Rettungstaucher und Bootsführer Tino Schrader Foto: Patrick Pleul/dpa (c) dpa – Bildfunk

Leichengeruch im Frankfurter Helenesee

Sobald Otis in das Boot der Wasserwacht gesprungen ist, beginnt er aufgeregt zu bellen. Der fünf Jahre alte Hund, ein Landseer, trägt eine leuchtend orangefarbene Schwimmweste, ebenso wie seine menschlichen Begleiter. Hundeführerin Nicole Adam versucht, ihren riesigen Vierbeiner zu beruhigen. Denn bellen soll Otis eigentlich nicht. Das schwarz-weiße Tier muss sich darauf konzentrieren, vom Boot aus möglichen Leichengeruch im Wasser des Frankfurter Helenesees zu riechen. Da hilft nur intensives Training, sagt Adam seufzend.

Der Landseer

Der Landseer ist eine große kräftige Hunderasse, die ursprünglich aus Neufundland nach England kam. Die schwarz-weiße Ausprägung des Neufundländers wurde von deutschen und Schweizer Züchtern fortgesetzt. Der Landseer gilt als gilt als aktiver, wacher und temperamentvoller als die Neufundländer. Der Landseer hat einen ausgeprägten Wach- und Schutztrieb und sehr menschbezogen. In seiner Historie gilt er als Wasserrettungshund, der Menschen auf hoher See vor dem Ertrinken gerettet hat. Das erklärt warum er auch jetzt wieder als Wasserrettungshund oder als Wasserortungshund an den Binnengewässern eingesetzt wird. Der Landseer ist Lernfreudig und besitzt gegenüber Menschen eine hohe Reizschwelle. Diese Attribute machen ihn auch zu einem hervorragenden Therapiehund.

Der Flächenspürhund

Ein Flächenspürhund ist in der Lage schnell und effizient große Waldstücke und unwegsames Gelände nach vermissten Personen ab zu suchen. Der Hund ist bei dieser Aufgabe dem Menschen weit überlegen. Dem Flächenspürhund kommt dabei seine Nase, Wendigkeit und Schnelligkeit zu gute.

„Otis ist einer unserer besten Flächensuchhunde“, sagt Ingrid Fritzemeier, Leiterin der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Märkisch-Oderland-Ost. Und weil das Tier bei der Suche vermisster Menschen beispielsweise in weitläufigen Waldstücken so gute Arbeit leistet, soll er nun in einer weiteren Spezialisierung zum Wasserortungshund ausgebildet werden. Otis ist damit einer der ersten Wasserortungshunde im Land Brandenburg. Zuerst hatte die „Märkische Oderzeitung“ darüber berichtet. „Wir sind das wasserreichste Bundesland. Da gibt es immer wieder auch Vermisste in einem See oder Fluss“, erklärt Fritzemeier die Beweggründe des DRK für diese spezielle Hundeausbildung.

Landseer sind ideale Wasserortungshunde
Wasserortungshund Otis vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist am 26.06.2016 bei einer Übung am Uferbereich des Helenesees nahe Frankfurt (Oder) (Brandenburg) zu sehen. Wasserortungshunde sind speziell ausgebildete Hunde, die mittels ihres Geruchssinnes in der Lage sind, die Position von ertrunkenen Personen unter Wasser zu lokalisieren. Foto: Patrick Pleul/dpa (c) dpa – Bildfunk

Vom Flächenspürhund zum Wasserortungshund

Oberstes Motiv der Rettungshundestaffel MOL-Ost aus 20 ehrenamtlichen Mitgliedern ist die Rettung von Menschen. Wenn es um Vermisste im Wasser geht, kommt jedoch meist jede Hilfe zu spät. „Doch die Angehörigen Ertrunkener wollen Gewissheit haben und sie wollen ihr totes Familienmitglied auch beerdigen können“, erklärt die hauptberufliche Justizangestellte Adam. Sie hat mit Otis vor gut zwei Jahren die schwierige Ausbildung zum Wasserortungshund in Angriff genommen. Der Knackpunkt dabei: Als Flächensuchhund ist er auf den Geruch lebendiger Menschen trainiert. Nun muss Otis den Leichengeruch kennen- und auch unter Wasser riechen lernen. Der Geruch wird aus der Plazenta von Müttern nach der Entbindung gewonnen.

Wasserortungshunde sind in Brandenburg noch Neuland

Zunächst hat Adam mit Otis an Land trainiert, den Geruch aus einem Gläschen auf das Spielzeug des Hundes gebracht, den Gegenstand am Ufer oder in einem eingegrabenen Eimer mit Wasser versteckt. Später ging es damit ins flache Wasser und dann weiter in die Tiefe. „Leichenspürhunde der Polizei können ebenfalls Ertrunkene wittern“, sagt Rudi Sonntag, Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums. „Wir haben aber keine eigenen, sondern nutzen die der Berliner Kollegen. Wenn die nicht verfügbar sind, greifen wir in Notfalllagen gern auf die Angebote der Hilfsorganisationen zurück.“ Gerade die Wasserortung sei schon sehr speziell, fügt er hinzu.

„Es braucht für diesen Einsatz erfahrene Hunde- und auch Bootsführer. Denn der Hund kommt ja an die Leiche im tiefen Wasser nicht heran“, macht Fritzemeier deutlich. Der Tod gehöre zur Arbeit der Rettungshundestaffel dazu, sagt sie. „Wir sind immer darauf vorbereitet, Gesuchte nur noch tot zu finden. Aber besser, wir finden sie gezielt, als gänzlich Unbeteiligte eher zufällig“, findet sie. Wasserortungshunde sind ihren Angaben nach beim DRK in der Mark noch Neuland, komplettieren jedoch die Einsatzpalette der Hundestaffel.

Die Nase des Hundes ist der Schlüssel

"Hundeführer
Hundeführer Christian Arlt vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) legt seinem Wasserortungshund Oscar eine Schwimmweste an. Wasserortungshunde sind speziell ausgebildete Hunde, die mittels ihres Geruchssinnes in der Lage sind, die Position von ertrunkenen Personen unter Wasser zu lokalisieren. Foto: Patrick Pleul/dpa (c) dpa – Bildfunk

Hundeführerin Adam soll ihre Erfahrungen später als Ausbilderin weitergeben. Umso wichtiger sei es, dass die Ausbildung von Otis klappt. Wann der große Landseer prüfungsreif sein wird, lässt sich jedoch nur schwer sagen. Der Hund müsse regelmäßig trainieren, um eine feinere Nase zu bekommen, beschreibt Fritzemeier.

„Das wichtigste ist die Nase des Hundes, völlig unabhängig von der Rasse“, sagt Adam und weist auf den braunen Mischlingshund eines Kollegen, der ebenfalls Wasserortung trainiert und dabei schon weiter ist: Wenn er Leichengeruch vom Boot aus wahrnimmt, beginnt er eifrig zu scharren. Dann ist die Sache für den Hundeführer eindeutig.

Otis hingegen muss erst noch das Bellen lassen, weil er sich da leicht hineinsteigert und dabei seine eigentliche Aufgabe leicht vergisst. „Ich als Hundeführer muss mein Tier bei der Wasserortung sozusagen lesen können und ihm vertrauen, weil ich selbst ja im tiefen Wasser nichts sehe“, sagt Adam. Ganz genau lasse sich der Fundort eines Ertrunkenen ohnehin nicht ausmachen. „Aber wir können das Terrain für die Rettungstaucher mit Hilfe der Hunde zumindest eingrenzen“, sagt die erfahrene Hundeführerin.

Spaß an der Nasenarbeit

Hunde kommen beim DRK oder zum Beispiel auch bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) als Flächenspürhunde, Personenspürhunde und Wasserortungshunde zum Einsatz.

Fast jeder Hund im Alter von 12 Wochen bis 3 Jahren ist Rasseunabhängig dafür geeignet, wenn der Hund ausgeglichen ist und in unterschiedlichsten Situationen gelassen reagiert. Gute Gehorsamkeit, niedrige Aggressionsschwelle sowie Spaß an der Nasenarbeit sollten sich im Training allerdings unbedingt herausstellen.

 

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