Tierärzte im Notdienst International (TiNI e.V.) wurde im August 2015 von Günter Groth und Fred R. Willitzkat gegründet. Sie wollten nicht „noch einen Tierschutzverein“ gründen, sondern einige Ideen aufnehmen, die sie aus ihrem zum Teil langjähriger Erfahrung im Tierschutz haben.

Den Tierärzten im Notdienst ist es wichtig in kleinen gut organisierten Gruppen aus Tierärzten und Helfern vor Ort zu helfen. Sie fahren direkt in die Tierheime und lindern dort die Not, die am größten ist. Die größte Not ist die Überzahl an Welpen, die durch unkastrierte Tiere entstehen. Hunde und Katzen, die zur Tötung eingefangen werden, können in der Regel nur als kastrierte Tiere vermittelt werden.

Die oft sehr engagierten Menschen vor Ort – egal ob in Deutschland, Rumänien, Spanien, in der Türkei oder in Griechenland, sind oft überfordert, wenn sich 100 und mehr Hunde in einem abgezäunten Areal befinden. Es gibt natürlich nicht für alle Tiere einzelne Käfige. Unter diesen eingefangenen Tieren sind immer auch läufige Hündinnen oder rollige Kätzinnen. Das führt zwangsläufig zur Vermehrung.

Tierärzte im Notdienst International: Mehr vermittelbare Hunde und Katzen

Wir haben aber genug Hunde und Katzen auf der Welt. Dem Verein „Tierärzte im Notdienst International“ kommt es darauf an, denen, die ein Zuhause brauchen, auch die Möglichkeit der Vermittlung zu geben. Welpen von Straßenhunden und -katzen werden überfahren, verhungern oft oder sterben an vermeidbaren Krankheiten.

„Das hat nichts mit natürlicher Auslese zu tun, sondern einzig und allein mit einer menschengemachten Misere, die wir abmildern müssen und wollen.“ sagt uns Dr. Fred Willitzkat und fügt hinzu „Wir brauchen also nicht mehr Welpen, sondern mehr vermittelbare Hunde und Katzen, die es verdient haben, ein liebendes Zuhause für sich zu erhalten.“

Wir haben für euch einige Fragen an die Tierärzte im Notdienst gestellt:

urban.dog: Warum helfen auch die Tierärzte im Notdienst dabei Hunde und Katzen aus Spanien oder Rumänien zu vermitteln?

Dr. Fred R. Willitzkat:  „Unsere Tierheime in Berlin und Brandenburg sind doch angeblich überfüllt. Grundsätzlich vermitteln wir natürlich auch viele Tiere aus deutschen Tierheimen. Ist dies nicht möglich oder ergibt sich eher die Möglichkeit einer Vermittlung eines Tieres aus einem anderen Land, dann vermitteln wir auch diese Tiere.

Aus ethischer Sicht ist es völlig egal aus welchem Tierheim die Tiere kommen. Wichtig ist, dass Tieren in Not geholfen wird. Unbestritten dabei ist, dass die Not in Tierheimen wie in Spanien, Rumänien, der Türkei, Bulgarien, Griechenland etc. oft sehr viel größer ist. Finanzielle Mittel sind in diesen Ländern rar und die Not an anderen Stellen oft größer. In diesen Tierheimen gibt es für deutsche Verhältnisse oft unzumutbare Bedingungen und der Bedarf an kompetenter Hilfe ist enorm.

In den deutschen Tierheimen gibt es eine ganze Reihe sehr schwer zu vermittelnder Tiere (Aggressivität, Alter, Krankheit, Rasse). Dazu kommt, dass an bestimmte Halter keine Tiere abgegeben werden. Dazu gehören unter anderem ältere Menschen. Die Sorge der Tierheime, dass ältere Menschen sich nur eingeschränkt oder eventuell später überhaupt nicht mehr um ihr Haustier kümmern können, halten wir nur für bedingt richtig. Zum einen sind gerade ältere Menschen (Pensionäre) immer zu Hause und können dem Tier eine Geborgenheit geben, die ein berufstätiger Mensch gar nicht in der Lage zu geben ist. Zum anderen sind gerade ältere Menschen darauf angewiesen eine Begleitung, ein Familienmitglied an ihrer Seite zu haben, der sie fordert und Motivation ist.

Wir betreuen ältere Menschen mit ihren Haustieren solange diese es wünschen und lassen ältere Menschen auch dann nicht im Stich, wenn sie ihr Tier aus Alters- oder Krankheitsgründen abgeben müssen. Wir helfen wo Bedarf ist, nicht wo es aus landespolitischer Sicht angebracht scheint.“

Warum helfen auch die Tierärzte im Notdienst aus Berlin frei lebende Hunde und Katzen vor allem im Ausland zu kastrieren?

Dr. Fred R. Willitzkat: „Es wäre doch 1. billiger und würde 2. weiteres Tierleid verhindern, wenn man sie einschläfern würde. Zum einen würde ein Töten von Tieren in dieser Weise gegen geltendes Recht verstoßen. Zum anderen würde es gegen unsere ethischen Wertvorstellungen verstoßen, denn nur weil Tiere ausgesetzt wurden, zu töten, kann nicht Leitlinie einer Gemeinschaft sein, die sich um das Wohl von Haustieren bemüht.

Durch viele freiwillige Helfer und durch den oft unermüdlichen Einsatz von Hilfsorganisationen, haben Straßenhunde und Straßenkatzen eine gute Chance wieder in ein „normales“ Leben eingegliedert zu werden.

  • Wichtig dabei ist, dass man durch die Kastration eine weitere unkontrollierbare Vermehrung verhindert.
  • Wichtig dabei ist, dass kranke Tiere behandelt werden, um Krankheiten nicht weiter zu verbreiten, um das Tierwohl zu steigern und um die Vermittelbarkeit von Straßenhunden und Straßenkatzen zu erhöhen.
  • Wichtig dabei ist auch, dass die Akzeptanz der Tiere aus Heimen durch potentielle Neubesitzer gesteigert wird. Immer noch herrscht der Unglaube, dass die Tiere aus diesen Tierheimen eine besondere Neigung zur Aggression haben. Das Gegenteil haben wir festgestellt: die Tiere aus den meist überfüllten Tierheimen haben eine sehr gut funktionierende Sozialstruktur, sind eher defensiv und verträglich mit allen anderen Haustieren.

Trotzdem ist es so, dass vor allem in der Anfangszeit (in den ersten Tagen und Wochen, manchmal auch in den ersten Monaten) eine sehr intensive Beschäftigung mit den Straßenhunden und – katzen vonnöten ist.

Die Tiere kennen oft keine Wohnungen, keine Treppen, wissen nicht, dass sie nur im Grünen urinieren dürfen und müssen sich an Leine und Auto gewöhnen. Mit etwas Geduld und Liebe gelingt dies fast ausnahmslos in angemessener Zeit. Ausnahmen gibt es allerdings auch hier.“

Warum helfen die Tierärzte im Notdienst unentgeltlich Hunde in ausländischen Tierheimen zu kastrieren? Das wäre doch Aufgabe der dortigen Behörden.

Dr. Fred R. Willitzkat: „Nein. Die Behörden sind nicht dafür verantwortlich, dass Tiere in Tierheimen kastriert werden. Damit diese Tiere eine Chance auf Vermittlung haben, helfen wir den Kollegen in anderen Ländern. Es ist nicht so, dass NUR ausländische Kollegen in Rumänien und Spanien Tiere kastrieren. Doch die Anzahl an Straßenhunden und Straßenkatzen ist so massiv, dass die Tierärzte vor Ort damit völlig überfordert sind.

Wir helfen mit Medikamenten, mit Personal und mit unserem Wissen schnell, effizient und in hoher Qualität die Tiere unfruchtbar zu machen. Jeden Tag kommen neue Tiere in den Tierheimen an. Diese müssen aus Platzmangel zusammengesperrt werden. Wenn Hündinnen läufig sind oder Kätzinnen rollig, ist es schier unvermeidlich, dass diese auch gedeckt werden. Um weiteren Nachwuchs zu verhindern, ist es also unerlässlich, alle Tiere zu kastrieren.

Ohne jemanden zu nahe treten zu wollen, glauben wir, dass es genug Tiere auf der Welt gibt. Wir brauchen keine neuen für 3 Monate süßen Welpen, sondern für die Tiere in den Heimen, die 12, 14 oder mehr Jahre werden können, ein vernünftiges Zuhause.

„Mit Geld kann man sich einen wirklich guten Hund kaufen, aber nicht sein Schwanzwedeln.“

Und noch etwas darf nicht vergessen werden: Es sind nicht nur die Tiere, die uns brauchen. Wir brauchen auch die Tiere, denn es gilt der Spruch von Henry Wheeler Shaw „Mit Geld kann man sich einen wirklich guten Hund kaufen, aber nicht sein Schwanzwedeln.“

Ihr könnt TiNI e.V bei folgenden Projekten unterstützen:

  1. Südspanien, wo durch eine Hochwasserflut die Tierheime stark beschädigt wurden und die Tiere in noch größere Not geraten sind.
  2. Einsatz in einem Brandenburger Tierheim für Katzen, das gerade organisiert wird.

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