Arthrose – Wenn Tiere lieber liegen statt laufen / Gelenkerkrankungen verursachen dauerhafte Schmerzen. Mit Therapien kann man Hunde unterstützen.

Wenn die ersten Herbstnebel übers Land wabern, würde Bello sich am liebsten ganz fest in ihr Kissen kuscheln. Und dann an einem gemütlichen Plätzchen in der warmen Stube einfach darauf warten, dass dieser unfreundliche Tag vorübergeht. Er hat immerhin schon einige Jährchen auf dem Buckel. Die Gelenke wollen nicht mehr so wie früher. Im Sommer lief noch alles wie geschmiert, aber jetzt, mit den ersten kalten und feuchten Tagen, melden sich die ersten Schmerzen. Bello leidet an Arthrose, einer chronischen Gelenkerkrankung, die sich langsam in ihr Leben geschlichen hat.

Was in den Gelenken passiert

Zur harmonischen Bewegung gehört ein ungestörtes Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Bändern. Um dies zu gewährleisten, sind die Gelenke als bewegliche Verbindung der starren Knochen ganz speziell und sehr funktionsfähig aufgebaut: Gelenke bestehen aus einer Gelenkkapsel, die das Gelenk nach außen abschließt. Innen sind sie mit einer Synovialmembran ausgekleidet, die die Gelenkflüssigkeit, also die sogenannte „Gelenkschmiere“ (Synovia) bildet.

Die Knochenenden sind mit einer Knorpelschicht überzogen. Dieser Gelenkknorpel hat eine besonders wichtige Aufgabe, denn er besitzt eine enorme Pufferwirkung („Stoßdämpfer“) und ist somit für die Stoß- und Druckfestigkeit des Gelenks und die Druckdämpfung jeder Bewegung zuständig. Ohne diese Stoßdämpfung wäre ein geschmeidiges Bewegen, geschweige denn ein Belasten der Gelenke, gar nicht möglich. Bereits ein kleiner Fehler in diesem ausgeklügelten System kann schwerwiegende Folgen haben.

Eine chronische Gelenkerkrankung bezeichnet man als Arthrose. Diese beginnt mit einer Verletzung im Gelenkknorpelbereich. Ursache solcher Knorpelschäden können z. B. traumatische Verletzungen (Zerrung, Verstauchung), Wachstumsstörungen, die Folgen anatomischer Fehlstellungen (Hüftdysplasie), übermäßiger Verschleiß bei alten oder übergewichtigen Tieren oder die Folge bakterieller Infektionen sein.

In jedem Fall kommt es zu einer Reihe von Veränderungen: Der geschädigte Knorpel provoziert eine Entzündung der Synovialmembran, die Membran schwillt stark an und sezerniert vermehrt Synovia (Reizerguss). Dies und eine gleichzeitige Entzündung der Gelenkkapsel führen zur Schwellung und verstärkten Durchblutung des Gelenks. Die Entzündungssymptome Rötung, Schwellung, Schmerz und Funktionsstörung des Gelenks (Lahmheit) werden sichtbar. Im Anschluss daran kommt es zu einer faserigen Verdickung der Gelenkkapsel, zur Ausbildung sogenannter „Osteophyten“ (Zubildungen am Knochen) und zur irreversiblen Gelenkknorpeldegeneration. Eine chronische Gelenkerkrankung die Arthrose – ist entstanden.

Die Therapien von Erkrankungen des Bewegungsapparates reichen von strikter Ruhe, Einsatz von Wärme, gezieltem Bewegungstraining zum Muskelaufbau, spezieller Medikamentengabe, Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion bis hin zu größeren orthopädischen OP´s.

Schmerzen müssen therapiert werden

Auch wenn die Arthrose nicht geheilt werden kann, ist es wichtig, die Schmerzen zu therapieren. Natürlich zum einen, um die vierbeinigen Lieblinge nicht unnötig leiden zu lassen. Zum anderen zieht dauerhafter Schmerz weitere schwerwiegende Beeinträchtigungen nach sich. Beispielsweise leidet das Immunsystem betroffener Tiere oder wegen mangelnder Bewegung werden die Muskeln schlaff. Auf Dauer besteht sogar die Gefahr, dass sich ein Schmerzgedächtnis entwickelt. Grund dafür ist die zunehmende Empfindlichkeit der Nervenzellen. Bereits geringe Reize werden dann als schmerzhaft wahrgenommen.

Das muss nicht sein. Es stehen heute moderne Schmerztherapien für Hunde zur Verfügung. Bei der Auswahl geeigneter tierartspezifischer Medikamente kann jedoch nur der Tierarzt weiterhelfen. In Absprache mit diesem hat der Tierhalter es jedoch in der Hand, sein Tier zu unterstützen, etwa mit Bewegungstherapien oder durch eine Gewichtskontrolle. Übergewicht durch falsche Fütterung belastet die „angeschlagenen Gelenke“ zusätzlich. Arthrosepatienten sollte man deshalb nicht mit einem Übermaß an „Leckerlis“ trösten.

Für den Tierarzt ist es wichtig, möglichst viel über das tägliche Verhalten von Bello zu erfahren. Dabei helfen Behandlungsprotokolle, in denen beispielsweise die Gewichtsentwicklung genau festgehalten wird – eine weitere Aufgabe für den Tierhalter. Hilfreich ist zudem ein Schmerztagebuch. Mit etwas Übung können Tierhalter den Schmerzgrad ihrer Lieblinge recht gut einschätzen und in eine Schmerzskala eintragen. Diese Beobachtungen helfen dem Tierarzt, die Therapie für Bello dem Krankheitsverlauf anzupassen. Schmerztherapien machen so das Leben auch für Bello wieder lebenswert.

Den Schmerz lindern

Alle therapeutischen Maßnahmen haben zum Ziel, die Schmerzhaftigkeit der Erkrankung zu bekämpfen und vor allem die Gelenkfunktion zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Sinnvolle und tatkräftige Unterstützung finden die verschiedenen Therapiemöglichkeiten durch den Einsatzentzündungshemmender und zugleich schmerzstillender Mittel. Es stehen aufgrund intensiver Forschung geeignete Medikamente zur Verfügung, die speziell für den Hund und seine Bedürfnisse entwickelt wurden. Sie sind gut verträglich und lassen sich einfach verabreichen und exakt dosieren. Die durch die Entzündung verursachte Gelenkzerstörung kann gestoppt werden, akute Prozesse heilen schneller aus und chronische Erkrankungen werden für den Patienten erträglich gemacht. Nicht umsonst sind die Lebenserwartung und die Lebensqualität vieler alter, an Arthrose leidender Hunde deutlich höher geworden.

Darüber hinaus stehen Ergänzungsfuttermittel zur Verfügung, die bei „Risikogruppen“ vorbeugend oder therapiebegleitend eingesetzt werden können. Prophylaxe ist beispielsweise in der Aufzucht von Welpen und Junghunden sinnvoll. Auch körperlich stark beanspruchte Hunde kann man so vor Sportverletzungen und Verschleiß schützen.

Hilfe für Hunde mit chronischen Schmerzen

Wenn der Tierarzt eine chronisch fortschreitende Erkrankung wie Arthrose festgestellt hat, wird er wahrscheinlich ein Schmerzmittel verschreiben. Zusätzlich zur Therapie mit Schmerzmitteln gibt es unterstützende Maßnahmen, die der Tierhalter selber durchführen kann:

  • Kontrollierte Bewegung hilft dabei, Gewicht zu reduzieren, Muskelkraft zu erhalten, und die Beweglichkeit der Gelenke mit der Zeit zu verbessern.
  • Abnehmen beseitigt bei Hunden mit Übergewicht die unnötige zusätzliche Belastung der schmerzenden Gelenke.
  • Ergänzungsfuttermittel oder ein Futter mit einem hohen Anteil essentieller Fettsäuren können ebenfalls helfen.
  • Gut gestaltete, regelmäßige Physiotherapie (besonders nach chirurgischen Eingriffen) kann Schmerzen lindern, die Kondition aufbauen und die Beweglichkeit der Gelenke erheblich verbessern.
  • Ein festes Hundebett an einer warmen, zugfreien Stelle ist bequemer, unterstützt die Gelenke und erleichtert das Aufstehen.